Elvis und der Film... Der Elvis-Film... Das ist ein Kapitel für sich. E-Movies... 31 davon gibt es, und 7 lange Jahre seiner Karriere hat Elvis sich um nichts anderes gekümmert. Von 1961 bis 1968 gab es kein einziges Live-Konzert von ihm. 7 Jahre lang nur Film-Output, 3 Filme pro Jahr und dazu gab’s natürlich auch immer den Film-Soundtrack.

Das Strickmuster eines E-Movies ist schnell erklärt. Man nehme Elvis! Elvis! Elvis! + Girls! Girls! Girls! + spicke das Ganze mit einer Menge Songs! Songs! Songs!

Der Film-Elvis – von eingefleischten Elvis-Connais-
seuren gern verpönt + ignoriert. Und doch ist eins
nicht von der Hand zu weisen: Seit unserer Kindheit
wissen wir dank der öffentlich-rechtlichen Fernseh-
sender, die an so manchem Wochenendnachmittag
in den Achtzigern nichts Besseres zu tun hatten, als
Elvisfilme zu bringen: Im Filmformat gibt es eine
Menge Elvis zu holen! Also, welcher Elvis darf’s
denn bittschön sein? Elvis als Bademeister, Rodeo-
Cowboy, Rennfahrer, Hubschrauberpilot, Reise-
führer, Zwilling, G.I.? Oder lieber als ungestümer,
sich dezent durch die Gegend prügelnder, jugend-
licher, singender Rebell?

elvisgirls.jpg

Also: Nehmen wir einen der 4 frühen Vor-Armee-
Zeit-Filme? „Love Me Tender“, „Loving You“,
„Jailhouse Rock“, „King Creole“? Ein Elvis, dem
die pomadisierten Haare wild ins Gesicht fallen.
Ein Elvis, der nicht mehr stillstehen kann, sobald
Musik erklingt, der in einem herrlich ungepflegten
Südstaatenakzent vor sich hinnuschelt. In Fleisch
gegossener, Spitzen-Typus des männlichen Sex-
Idols. Ein Elvis zum Dahinschmelzen... Oder Elvis
nach der Armee? Vom Hillbillytum gereinigter
Weiberheld, Schwarm aller Kinder. Reinweiß-
gewaschener Belanglos-Sixties-Mainstream-Pop-
Elvis. Ein Elvis zum Davonlaufen. „Follow that
Dream“, „It Happened at the World’s Fair“, „Kissin‘
Cousins“, Harum Scarum“? ( hier als kurze
Zugabe, die noch treffenderen deutschen Titel: „Ein
Sommer in Florida“, „Ob blond, ob braun“, „Die
wilden Weiber von Tennessee“, „Verschollen im Harem“)
Elvis in Badehosen auf einem Wasserski – hihi!
Elvis unter der Dusche – hui!
Elvis im Kasperletheater – haha!
Elvis im Sportwagen – flott!
Elvis im Sportflugzeug – „Ich fliege dahin, wo ich gebraucht werde.“ – Bitte hierher!
Elvis mit Drei-Tage-Bart, speckigem Cowboyhut, Zigarre im Mundwinkel, ein rassiges Pferd unterm Hintern -–jawoll! Clint Eastwood go home!
It’s the looks, man!

Doch so manches Mal wirken die Elvis-Filme der 60er wie zu lang geratene, müde und unmotivierte Videoclips. Naja, damals gab’s halt noch kein Musikfernsehen... Und manchmal lehrt einen der Anblick von Elvis auch das Gruseln. Zum Beispiel in Filmen wie „Paradise Hawaiian Style“. Elvis mit ins Korsett gezwängtem Quabbelbauch. Steif von den mit Haarspray einbetonierten Haarspitzen bis zu den orientierungslos durch das mit exotischen Statisten vollgestopfte Bild tapernden Fußsohlen.

Elvis hält die Gitarre in diesen späten Filmen (wenn’s nicht gerade mal zur Abwechslung eine Ukulele oder ein Glockenspiel sein darf) wie eine halbgare Wurst, die er zu schwach oder zu faul war, abzulehnen. (Appetit hat er offensichtlich auch nicht) Ebenso faul ist er im Gesicht – den Mund bekommt er zum Playback kaum noch auf.

 „Was soll ich hier?“, fragt es aus jeder seiner (bei Nahaufnahmen schon ganz schön groß sichtbaren) Poren. Man möchte ihm zurufen: „Elvis, hau ab! Du mußt das nicht tun, Rock’n’Roll, weißte! Konntest du doch mal!“
Aber im nächsten Moment läßt sich Elvis auch schon von Möchtegern-Kinderstars dazu verführen, lustlos durch den Sand zu tollen und dazu von „Queenie Wahini’s Papaya“ zu singen. An solchen Stellen weiß ich immer nicht: Finde ich das zum Lachen oder zum Weinen? Warum guck ich mir das eigentlich an? Wie wei bin ich noch vom schleichenden Hirntod entfernt?
Trotzdem läßt sich nicht verhindern, daß die größtenteils zuckrigsüßen Filmsongs irgendwie an mir kleben bleiben. Inmitten der E-Movie-Belanglosigkeit blinzelt halt doch ab und zu ein wenig Magic hervor. Vielleicht liegt’s daran, daß auch ein lieblos eingesungener Song aus dem Mund von Elvis noch gut klingt...
Ach, wie auch immer + was soll’s: „So close, yet so far from Paradise“! und überhaupt: „Relax“! Denn: „Yoga is as Yoga does“! „Ito Eats“ und „The Walls have Ears“! Also: heftig mitgesungen, wenn Elvis zum „Song of the Shrimp“ ausholt. Punk’s grandpa’s not dead...

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